Bear’s Den – Eine naheliegende Heimat

Einfühlsam, mitreißend, eine Gesichte erzählend – so lässt sich die Musik der britischen Band Bear’s Den am besten beschreiben. Am 10.09.2017 besuchte ich bereits zum zweiten Mal ein Konzert der Briten im Leipziger Täubchenthal. Schon im Juni, als Vorband von Kings of Leon, haben sie das Berliner Publikum in der Waldbühne um den Finger gewickelt und Lust auf mehr gemacht.

So verwunderte es auch in Leipzig nicht, dass die Fans aus den verschiedenen Himmelrichtungen anreisten. Am Vortag spielten Andrew Davie, Kevin Jones und Joey Haynes bereits auf dem Berliner Festival Lollapalooza im Hoppegarten. Trotzdem haben es sich auch einige Berliner*innen es sich nicht nehmen lassen, den weiten Weg nach Leipzig auf sich zu nehmen. Und sie sollten nicht enttäuscht werden.

Als Vorband traten die Jungs um den aus Newcastle stammenden Sänger Sam Fender auf. Eine junge Band, deren instrumentale Darbietung unweigerlich an New Wave und Bands wie the Cure erinnern. Gesanglich kommt Fender der Stimme von Tom Chaplin (Leadsinger von Keane) nahe, kann aber nicht als Kopie gelten. Unschuldig, manchmal unbeteiligt, unnahbar und dennoch packend, gelang es der Band ab dem ersten Song das Publikum von Null auf Hundert zu bringen. Eine Band, der man definitiv eine Chance geben sollte.

Nach einer Vorband, die ihrer Rolle mehr als gerecht wurde, starteten Bear’s Den mit dem Songs Emeralds die Show. Es brauchte nicht viel, um das Publikum einzustimmen. Das Täubchenthal hat sicherlich schon besser besuchte Konzerte erlebt, aber für die Band und deren Fans bot es das perfekte Ambiente, wie der weitere Verlauf noch zeigen sollte. Das ermöglichte die schnelle und intensive Verbindung von Band und Gästen. Aktuell kann die Band, die sich erst 2012 gründete, erst auf zwei Alben verweisen: „Islands“ sowie „Red earth and pouring rain“. Schade, möchte man meinen, dass eine solche gute Band so wenige Alben hat. Doch auch dieses „slow writing“ gehört zur Echtheit von Bear’s Den.

Die kleinen, schüchternen Gespräche der Band mit dem Publikum waren sehr emphatisch. Das gefiel! Hervorzuheben sind zwei ganze besondere Momente, die unter die Haut gingen. Bear’s Den zogen sich entstöpselten ihre Instrumente und zogen sich an einen stillen Ort der Bühne zurück, um akustisch den Song „Sophie“ zu bringen. Die Fans dankten es mit flüsternden Textzeilen: „Sophie / I cant forgive myself / oh I cant forgive myself“. Ein ergreifender Moment für alle Beteiligten.

So auch am Schluss des Konzertes. Bear’s Den ließen es sich nicht nehmen, gen Ende hin, den Höhepunkt inmitten der Fans zu begehen. Kaum standen sie in der Mitte des Saales, setzte sich das Publikum auf den Boden, um den Klängen des Songs Bad Blood zu lauschen, der ebenso akustisch daherkam.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ehrliche Musik, einer ehrlichen Band, die unter die Haut geht und das Publikum empathisch anzusprechen weiß. Wer dem Alltag mit gebotener Langsamkeit entgegnen möchte ohne in die Ferne zu fliehen, findet bei Bear’s Den eine naheliegende Heimat.

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