Offener Brief von MZ-Journalisten: „Die Stimmung ist schlechter als jemals zuvor“

In einem offenen Brief wenden sich Journalist*innen der Mitteldeutschen Zeitung an den Aufsichtsrat der DuMont Mediengruppe. Hierin kritisieren sie die Fehlentscheidungen des hiesigen Chefredakteurs Hartmut Augustin. So sei das neue Layout der Zeitung eine „Fehlgeburt“, die Mitarbeiter*innen würden „verbrannt“ und der Führungsstil sei „menschenverachtend“. Zuletzt waren mehrere Veränderungen in der Geschäftspolitik der Mitteldeutschen Zeitung spürbar geworden. Der Aufbau der Zeitung hat sich verändert, Journalist*innen verließen zunehmend die Redaktionen und die Honorare für Freie Mitarbeiter*innen wurden extrem eingeschmolzen. Ebenso werden Webpräsenz sowie Social-Media-Kanäle auf Facebook und Twitter für ihr zunehmendes Click-Baiting kritisiert. Hier der offene Brief der Journalist*innen der Mitteldeutschen Zeitung, der am 21.07.2017 auf dubisthalle.de veröffentlicht wurde. Die Echtheit des Schreibens ist nicht überprüft.

 

7 Antworten auf „Offener Brief von MZ-Journalisten: „Die Stimmung ist schlechter als jemals zuvor““

  1. Beim Leserservice der Post wird die MZ so beworben:
    „Die Mitteldeutsche Zeitung bietet ihren Lesern eine umfassende aktuelle Berichterstattung – dazu Reportagen, Analysen, Hintergründe und Meinungen zu politischen, sportlichen und kulturellen Ereignissen aus der Region, Deutschland und der Welt. Starten Sie gut informiert in den Tag …“

    https://www.leserservice.de/tageszeitungen/mitteldeutsche-zeitung.htm

    Eine gute Zeitung beinhaltet „Reportagen, Analysen, Hintergründe und Meinungen“. Ansonsten kann man darauf verzichten. Die DPA-Meldungen höre ich mehrfach im ÖR-Radio, sie werden immer öfter im ÖR-TV vorgelesen. Am nächsten Morgen also noch einmal das lesen, was ich schon fast auswendig kenne? Also die Agenturtexte von DPA oder AFP.
    NEIN, Danke. Ergo muss eine Zeitung, die Bedeutung haben und in einer Presseschau zitiert werden will, in die Menschen und die von ihnen erarbeiteten Inhalte investieren.

    Lokale Nachrichten bzw. Inhalte, die sich selbst produzieren (Verkehrsunfälle, Baustellen, Polizeimeldungen, Sport) können nicht alles sein, was eine lokale MZ-Ausgabe von einem lokalen Westfalenblatt, z.B. den Vlothoer Nachrichten, unterscheidet.

    Das Verlagshaus MZ beherrscht mit den Gratis-Blättern „SuperSonntag“ und „Wochenspiegel“ in Dessau komplett die Presselandschaft auf Zeitungspapier und damit vor allem auch die Verteilung von Werbebeilagen (= sprudelnde Geldquelle).

    Ich teile alle Kritik aus Lesersicht, die in dem Offenen Brief vorgebracht wird. Es gibt weniger Inhalt pro Seite. Platz wird verschenkt. Institutionen, wie die Service-Seite, werden versuchsweise hingerichtet. Absurd. Sekretärinnen kündigen. Absurd. Fotographen … (SOS – save Lutz!)

    @Leitungsebene: Usability-Tests und Feedback von Testlesern hätten das verhindern können. Ebenso die Einbeziehung der Macher*innen. Man kann nicht machen, was man will, nur weil es keine Konkurrenz auf dem Markt gibt. Ein Markt der 27 Jahre nach der Wende noch die DDR-Bezirksgrenzen und die Verteilung der lokalen SED-Presseorgane widerspiegelt.
    Bezirk Halle: Freiheit / Bezirk Magdeburg: Volksstimme

    Forderung: echte Freiheit statt interner (Mitarbeiter*innen) und externer (Leser*innen) Bevormundung

  2. Über die internen Probleme der MZ kann ich als ehemaliger Print- und gelegentlicher Online-Leser natürlich nichts wissen und sagen. Ich bin auch nicht vom Fach.

    Aber wenn Ihr, Ihr noch verbliebener Rest an mutigen Journalisten schon beim Aufräumen seid, denkt mal über folgende Theorie/Meinung/Sicht zum Leserschwund nach:

    Vielleicht haben die Menschen einfach die Nase voll davon, den medialen Einheitsbrei an vor Political Correctness nur so triefenden „Nachrichten“ auch noch in ihrer Heimatzeitungen vorgekaut zu bekommen. Kritischer Journalismus sieht anders aus!

    Wenn Ihr schon dem „Volke aufs Maul schaut“, möchte sich dieses Volk dann in seiner Zeitung auch wiedererkennen.

    Verzeiht mir, aber manchmal habe ich den Eindruck, als hätte es in der ehemaligen „Freiheit“ mehr Meinungsvielfalt gegeben.

    Viel Kraft und vielleicht auch ein wenig Glück wünscht

    Anhalter

  3. ich habe einige zeit dort gearbeitet – in dieser zeit habe ich 4 kündigungen durch sehr junge mitarbeiter (mit aussicht auf festanstellung!) und einen kollegen, der über 18 jahre dort wirkte miterlebt.
    das desk-system funktioniert überhaupt nicht, die lokalredaktionen können ihre arbeit kaum tun, ohne dass von „oben“ direkt eingegriffen wird.
    …sehr traurig

  4. Meine Frau und ich können den Inhalt vom offenen Brief im Bezug auf die sogenannte Neugestaltung nur unterstützen. Sie gefällt uns und anderen ehemaligen Lesern überhaupt nicht mehr. Wenn sich das nicht ändert werden wir wohl auf den nunmehr gelegentlichen Kauf der MZ Naumburger Tageblatt auch noch verzichten.

  5. „Die Echtheit des Schreibens ist nicht geprüft“, schreibt der Urheber dieses Posts, Stefan Krabbes, Büroleiter des Bundestagsabgeordneten Dr. Gerhard Schick (Bündnis ´90/Grüne). Was heißt denn hier „echt“? Also geschrieben hat es mindestens eine oder einer, der bei der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung arbeitet, darauf deutet das fundierte Insider-Wissen hin. Ob hier mit dem „Wir“ das Pluralis Majestatis verwendet wurde (was ich für wahrscheinlich halte), oder das Schreiben wirklich von mehreren MZ-Mitarbeitern verfasst wurde (die damit ein großes Risiko eingehen würden), sei dahingestellt. Ein Producer war aber auf keinen Fall darunter, der hätte nochmal Korrektur gelesen und die Fehler ´rausgefischt. Vieles stimmt, manches ist einfach Ansichtssache, anderes ist schlicht und einfach Quatsch.

    1. Hallo Presstillion, danke für deine Nachricht. Ich denke, dass das Schreiben echt ist, ja, aber kann es nicht sagen. Ich habe es der Seite DuBistHalle.de entnommen & die inhaltliche Kritik (am Strukturwandel der Zeitung) deckt sich mit dem was man immer mal wieder hört und wahrnimmt. Daher denke ich, dass es echt ist (aber kann es eben nicht verifizieren). Ich finde aber auch, dass man die persönlichen Angriffe und die schweren Vorwürfe der Lüge hätte weglassen müssen. Das ziemt sich nicht. Der Brief wäre sicherlich mit Klarnamen der Unterzeichnenden besser geeignet, qualitative Verbesserungen zu erreichen. Weiß man denn überhaupt ob intern schon das Gespräch gesucht wurde? So viele Dinge, die man nicht sagen kann. Dennoch fand ich es wichtig, das Schreiben neben DuBistHalle hier zu veröffentlichen, um die Folgen der Digitalisierung der Printmedien aufzugreifen. Es ist ja nicht nur bei der MZ so, sondern auch bei vielen anderen Medien. Auf jeden Fall beschäftigt das Thema viele Menschen, deren jeweilige Sicht nachvollzogen werden kann. Es gibt einfach kein Patentrezept für die Herausforderung, vor der die Verlage stehen. Kurze Anmerkung meinerseits noch: Das ist mein privater Blog. Wäre es anders stünde es auf der Homepage. Das ist auch der Anspruch hier. Meine Sicht auf die Dinge. Alles Gute, Stefan Krabbes 🙂

      1. Genau meine Ansicht. Hintergrund des Dilemmas bei der MZ ist doch, dass der Presse allgemein geschäftlich das Wasser bis zum Hals steht. Der Untergang lässt sich nur hinauszögern.

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