Falsche Führer – neue Helden

Ob Donald Trump in den USA, Recep Tayyip Erdogan in der Türkei, AfD und Reichsbürger in Deutschland oder oder … die Liste der Führungsfiguren mit kruden Ideen ließe sich problemlos weltweit fortsetzen. Doch es ist aktuell nicht nur ein Problem auf der Weltbühne, dass Männer mit kruden Weltanschauungen von Menschen als ihre neuen Helden gefeiert werden. Es ist auch ein Problem in den Ländern und den Kommunen z.B. in Sachsen-Anhalt.

Dabei scheint keine Idee dumm krude und keine Forderung grenzüberschreitend genug zu sein. In Sachsen-Anhalt kennen wir das Problem nur zu gut. Seit März 2016 sitzt die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt, die mit immer neuen Äußerungen für Aufsehen sorgen wollen, weil es ihr an inhaltlicher Konsistenz mangelt. Aus heutiger Sicht ist die Arbeit der AfD so zu beurteilen: Sie ist die fleischgewordene Stammtischparole im Landtag:

Kritisieren, skandalisieren, urinieren.

Doch auch außerhalb des Parlaments tummeln sich seltsame Gestalten, deren Theorien so simpel sind, dass sie seit einiger Zeit immer mehr Zulauf erfahren – egal wie krude die Idee ist. Aktuell tritt das Problem des Reichsbürgertums militant wie selten zu Tage: Reuden, Georgensgmünd oder Salzwedel. Zuletzt wurden Polizisten Opfer der (neu)rechten Staatsleugner und Demokratiefeinde.

Einige Menschen haben sich von der Komplexität der realen Welt verabschiedet, weil sie sich nicht mehr verstehen können und wollen. Wie gerufen kommen da krude Erklärungen und scheinbar neue und falsche Führer, die in deren Augen die neuen Helden der Zeit sind. Die Antworten sind denkbar einfach: Keine Jobs? Ausländer raus. Zu viele Steuern? Der Staat existiert gar nicht. Politik doof? Merkel muss weg.

Je einfacher, desto besser. Die Ohnmacht über das Weltgeschehen wird überwunden, in dem man sich in eine Traumwelt flüchtet, in der die Antworten einfach zu finden und scheinkausal sind. In einer Welt in der falsche Führer die neuen Helden sind lässt es sich so herrlich einfach leben. Einer denkt für alle und man selbst folgt den eigenen inkonsistenten Standpunkten. Letztlich sind die Menschen, die ihren neuen Helden hinterherrennen nicht anderes als die Masse, die der Idiotie eines Mannes die Lautstärke verleiht, die sie zu ihren eigenen Opfern macht, wie wir an der Schießerei in Reuden oder Georgensgmünd oder der Prügelei in Salzwedel haben erneut feststellen müssen.

Menschen, die diesen Staat leugnen und gegen ihn agieren sind Demokratiefeinde. Sie müssen die Möglichkeiten unseres demokratischen Rechtsstaates erfahren. Aber nicht nur die Fehlgeleiteten gilt es zu stellen, sondern auch deren Verführerinnen und Verführer, die die Staatsleugnung und Staatsfeindschaft befeuern, muss das Handwerk gelegt werden. Dazu braucht es jedoch starke Demokraten, die aufzeigen, wie unsinnig und spinnert die (neu)rechten Parolen sind. Um ihnen den Boden zu entziehen, braucht es keine einfachen Antworten, wohl aber eine Erklärung für die Bürgerinnen und Bürger unserer Welt in einer Sprache, die sie auch verstehen können.

Daher ist es an der Zeit, dass wir in unserer spezialisierten Lebenswirklichkeit und schnellen Lebensgeschwindigkeit die gesellschaftlichen Aufgaben, die wir haben realisieren und einander besser erklären, um ein gesamtgesellschaftliches Bild zu zeichnen, das verstanden werden kann: Wir müssen versuchen die Rolle des Bäckers für unser tägliches Leben ebenso nachvollziehen zu können, wie das der Putzkraft, des Migranten, des Hartz-IV-Empfängers, der Unternehmerin oder des Rechtsanwaltes.

Wir müssen unser eigenes Tun im Rahmen der gesellschaftlichen Bedeutung erfassen und erklären, um unserer Gesellschaft wieder den Zusammenhalt zu geben, die sie verdient. Damit nehmen wir den kruden Ideen von falschen Führern und Helden auch den Wind aus den Segeln und reichen den Leuten die Hand, die sich aktuell als Gegengesellschaft verstehen.

Photo by aitoff (Pixabay)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.