Mein Abend in der #PEGIDA in Dresden.

Ich wollte mir genauer ansehen worüber seit Wochen geschrieben und berichtet wird. Was sind das für Menschen, die sich selbst Pegida nennen oder ihr hinterher rennen? Man hat ja bereits viel gehört, viel gelesen und viel diskutiert über die Pegida und deren Teilnehmende; doch wie sieht es da eigentlich aus bei und in den Menschen in Dresden?

Um mir ein paar Eindrücke zu verschaffen, entschied ich mich, mir selbst ein Bild über die Stimmung vor Ort zu machen und fuhr am 05.01.2015 nach Dresden.

Meine Beobachtungen

In Dresden angekommen nahm ich viele Gruppen von Männern wahr. Viele von ihnen hatten Deutschlandfahnen in der Hand. Ein anderer Herr trug voller Stolz ein AfD-Plakat vor sich her. Den Weg zur Pegida-Demo zu finden fiel nicht sonderlich schwer, da ich nur der immer größer werdenden Gruppenansammlung folgen musste. Viele dieser Herren – gerade die im Alter von 25 – 40 – trugen die Haare recht kurz, waren körperlich trainiert und hatten einen Faible für dunkle bzw. schwarze Kleidung. Aber dies war natürlich nicht bei allen der Fall – wenngleich sie dennoch einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtveranstaltung hatten. Der Ein oder Andere trank auf dem Weg noch eben ein Bier. Die älteren Herren trugen normale Alltagssachen, die nicht weiter verfänglich waren.

Auf der Cockerwiese angekommen stellte ich dann fest, dass der Frauenanteil auffallend gering ausfiel. Der Frauenanteil am Abend des 05.01.2015 lag bei geschätzten 10 Prozent. Wenn Frauen vor Ort waren, dann tendenziell mit Ehemann. Dieser gab zumeist die politischen Äußerungen von sich. Die Ehefrau blieb die nette Begleitung. Männliche und weibliche Jugendliche waren zwar anwesend, aber stellten keine nennenswerte Größe dar.

Die Kundgebung der PEGIDA mutierte zu einem Meer aus Fahnen und Schildern. Die Fahnen waren eine Mischung aus Fahnen von Landkreisen, Bundesländern und anderen Staaten. Interessant dabei zu beobachten: obwohl es sich (nach eigenen Angaben) um Proeuropäische Bürgerinnen und Bürger handelt, sah ich nicht eine einzige Europafahne, dafür aber viele Deutschlandfahnen. Das wirft Fragen auf.

Die Slogans der gebastelten Schilder der besorgten Bürgerinnen und Bürger lauteten beispielsweise: „Freital – Zimmer belegt!“ oder „Patriotismus bedeutet nicht Hass auf andere Staaten, sondern Liebe zum eigenen“.

Die Demo fand ihren Anfang. Eine Initiatorin leitete mit einer Belehrung ein, wonach Glasflaschen und alkoholische Getränke auf der Demo verboten seien, was einige „Kameraden“ wie sie sich selbst bezeichneten, davon jedoch nicht abhielt das ein oder andere Bier zu trinken. Dem folgte eine Ermahnung, dass kriminelles Verhalten von Demo-Teilnehmenden ebenso wenig geduldetet ist wie Pseudojournalisten. Eine interessante Gleichsetzung, wie ich fand.

Die Redebeiträge begannen. Es wurden verschiedene Dinge angesprochen. So solle „Ausländerfreundlichkeit gleichsam Deutschfeindlichkeit bedeuten. Deutschland hat eine Asylindustrie. Für nationale Interessen einstehen. Andere Europäische Völker erwachen. Deutsche Politiker haben ein Verfallsdatum, nicht aber die PEGIDA. Die PEGIDA-Teilnehmenden werden kriminalisiert und sind die eigentlichen Opfer. Bezahlte Gleichmacher.“ Das ist nur eine Auswahl von Wortfetzen. Natürlich gab es auch wieder Kommentierungen zur Leistung der Deutschen Medienlandschaft Stichwort Lügenpresse oder zur Gleichsetzung des Islam mit Kriminalität und Terror. Interessante Zitate waren hier: „Die ersten Kirchen sollen bereits als Moscheen nutzbar gemacht werden“, „Den Namen der SPD-Generalsekretärin will ich nicht aussprechen“ oder „Die Islamisierung vertreibt das Schweineschnitzel aus den Schulkantinen“.

Ein Fauxpas eines Redners war im übrigen ein Satz: „Ich bekämpfe diesen Staat bereits seit 10 Jahren … <kurze Pause> … in diesem Staat schon seit 10 Jahren gegen Rassismus.“

Meine Schlussfolgerungen

Nun mag man meinen, dass das ja alles aus dem Zusammenhang gerissen ist und dass man das ja im Kontext hören müsse. Die harte Realität ist aber nun einmal, dass diese Äußerungen während der Kundgebung der PEGIDA am 05.01.2015 in Dresden – einem nasskalten und vernieselten Montagabend – so gefallen sind. Gleichsam waren es aber auch die Aussagen, die die meiste Zustimmung per Akklamation oder Anwesenheit fand.

Die PEGIDA scheint mir eine vornehmlich männliche Bewegung zu sein, deren Angst es ist, mit einer sich modernisierenden Gesellschaft nicht mehr umgehen zu können. Es werden Scheinkausalitäten akzeptiert sobald sie stimmig klingen und als Wahrheit eingestuft. Lügen sind dann all das was nicht mehr passt. Es scheint als wollten sie ein Puzzle zusammenfügen das aus etlichen anderen Puzzeln besteht, um ein Motiv zu erhalten, das irgendwie zu passen scheint. Es fällt ihnen schwer die Komplexität (unserer Welt) zu erfassen und damit umzugehen. Stereotype und Feindbilder dienen dabei zur Festigung und zur Unumstürzbarkeit der eigenen Argumentation.

Für die PEGIDA als Bewegung lässt sich sagen, dass nun versucht wird seitens der Organisation von PEGIDA – nach der Formierung des Protests – nun eine Formung der Teilnehmenden vorzunehmen. Es werden hier verschiedene Strömungen gebündelt: Verschwörungstheoretiker, Amerika-Hasser, Putinfreunde, „Friedensbewegte“, Rassisten, Rechtsextreme, Montagsdemonstranten, etc. Ich konnte mich auch daher des Eindrucks nicht verwehren, dass man nicht nur außerparlamentarische Opposition, sondern Systemopposition sein will; eine – wie ich finde – verfassungsfeindliche Zielstellung.

Für mich steht nach diesem Abend fest, dass PEGIDA nicht aus besorgten BürgerInnen besteht und nicht aus ProeuropäerInnen, sondern aus einer Vielzahl von Unzufriedenen, die das Gefühl haben in verschiedenen Lebenslagen zu kurz gekommen zu sein, die sich unter der Decke des Rassismus kameradschaftlich die Hand reichen.

Ich habe diesen Test gemacht, um sich selbst überzeugen zu können, wie es so vor Ort aussieht, wie ich es eingangs schon schrieb und kam zu der Überzeugung, dass in der Tat nicht alle Nazis sind, aber dafür viele von ihnen offensichtliche oder latente Rassisten.

Dafür kann ich kein Verständnis haben und werde solche Äußerungen auch weiterhin auf friedlichem Wege bekämpfen und hoffe, dass viele von euch, die ihr den Text vielleicht gelesen habt, dabei mithelfen, dass wir in einer offenen liebenswerten Welt leben können ohne Hass und Rassismus und Angst a la PEGIDA.

Es lohnt sich.

4 Antworten auf „Mein Abend in der #PEGIDA in Dresden.“

  1. Vielen Dank für den lesenswerten Bericht! Wenn Ihre Thesen stimmen – was ich keineswegs bezweifle – dann stellt sich die Frage, warum es die vielfätigen Ursachen für die Unzufriedenheit nicht auf die Agenda schaffen, sehr wohl aber der dumpfe Rassismus und Islamophobie?

    1. Hallo Frau Dr. de Nève,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich sehe einen Grund darin, dass der Organisationsgrad und damit auch die Bereitschaft Themen auf die Agenda setzen zu wollen bei vielen Teilnehmenden bisher gering ausgefallen ist, was letztlich Auswirkungen auf das gesamte Agenda-Setting hatte. Ein Thema für sich mag Vielen noch nicht wichtig genug erscheinen; vielleicht auch weil es zu beiläufig wirkt und ein kürzer Ärger darüber näher liegt als das aktive Einbringen in das Thema, um etwas zu ändern.

      Dies lässt mich folgern, dass die eigene Untätigkeit zur eigenen Unzufriedenheit beiträgt was zur Folge hat, dass die eigene Lebenswirklichkeit nicht in den politischen Prozess eingebracht wird. Dies führt zu einer Disharmonie von Soll und Ist. Ab einem gewissen Scheitelpunkt verursacht dies, dass Zusammenhänge in unserer sich modernisierenden Welt kaum mehr erkannt werden, da sie dann plötzlich zu komplex geworden ist.

      Also kurz: Durch das bloße Konsumieren und dem mangelnden Reflektieren von Informationen und das fehlende, aber sich eigentlich daraus ergebende, Agieren kommt es zur teils selbstverschuldeten Ohnmacht und der späteren Wahrnehmung einer in einer Welt zu leben, der man sich hilflos ausgesetzt fühlt.

      Aber hier gibt noch einige andere Gründe, denke ich.

      Beste Grüße

      Stefan Krabbes

  2. Klar, ich kann Ihrer Argumentation absolut folgen. Dennoch bleibt da eine Erklärungslücke: Die überbordende Unzufriedenheit in Kombination mit der Konstruktion der Feindbilder auf der einen Seite und die zugleich geradezu berauschende Zufriedenheit mit der amtierenden Regierung auf der anderen Seite wie passt das eigentlich zusammen? Ist „die Regierung“ nun verantwortlich für die von Ihnen genannte Wahrnehmung einer Abweichung zwischen Soll und Ist oder sind es eine Handvoll MigrantInnen, die in Dresden irgendwo einen Gemüseladen betreiben… Ich fürchte, wir müssen an der Stelle mit unseren Erklärungen noch etwas tiefer bohren. Das ändert aber natürlich gar nicht an Ihren Beobachtungen vor Ort, die ich insbesondere in Bezug auf die offensichtliche Systemkritik erschütternd finde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.